Tirsuli

Guide Expeditionsleitung Bergführer Expedition Himalaya Indien Tirsuli Munsyari

Unsere Expedition zum Tirsuli (7074 m) in Indien stand unter einem schlechten Stern.

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Beim Anmarsch von Munsyari ins Basecamp hatten wir derart schlechtes Wetter, dass wir auf Grund von zahlreichen Erdrutschen und weggerissenen Wegstücken nur sehr langsam vorankamen. Unsere Träger hatten Angst vor neuen Erdrutschen und Steinschlag und wollten nicht mehr weiterkommen. Die indische Partnerfirma, die für die Träger verantwortlich ist, konnte keine neuen Träger organisieren und so trugen wir die wichtigste Ausrüstung selber. Den Rest des Materials mussten wir zurücklassen und später nachtragen lassen. Wir nahmen mühsame Umwege auf uns und bauten eine Seilbahn um unsere Ausrüstung über Murgänge zu bringen.

Guide Expeditionsleitung Bergführer Expedition Himalaya Indien Tirsuli
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Das Basecamp erreichten wir sechs Tage nach dem geplanten Termin. Aber es war noch nichts verloren - wir hatten noch genug Zeit am Tirsuli und waren guten Mutes, den Gipfel zu erreichen. 

Am Berg selber lief es dann sehr gut. Das Wetter war meist gut und wir hatten nur noch wenig Neuschneezuwachs. Innert einer Woche konnten wir den unbekannten und stark zerrissenen Gletscher durchqueren und zwei Höhenlager einrichten. Die Spannung war gross, da unsere Route bislang unbekannt war und wir den Weg oberhalb von 6400 m nie sehen konnten. Was uns auf dem Weg zum 7074 m hohen Gipfel erwarten sollte, war sehr ungewiss. Nach einem Abstieg in BC und zwei Tagen Erholung planten wir einen Gipfelversuch.

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Bei diesem Abstieg ins BC durch eine Seraczone fiel ich in eine Spalte und verdrehte mir dabei mein linkes Knie. Ich wusste gleich, dass irgendetwas Schaden genommen hatte. Nach den ersten Schreckenssekunden konnte ich mit der Hilfe meiner Kollegen noch ein bisschen hinunter humpeln, knickte aber mehrmals zusammen. Dann versuchten wir es mit Nachziehen in einem Schlafsack, was sich als äusserst kräfteraubend herausstellte. Schlussendlich entschieden wir uns, dass wir schneller vorankommen wenn ich selber humple. Meine Freunde seilten mich teilweise ab, stützten mich und gingen voraus um Stufen im Eis zu schlagen. Einer der Gruppe sicherte mich stets und wir erreichten nach 7-8 Stunden das Basecamp.

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Ein erster Erfolg, aber das Basecamp ist tagelang vom nächsten Dorf mit einem Strassenanschluss entfernt. Zudem lag ein langes Stück Gletscher und viel Geröll zwischen uns und dem ersten gut begehbaren Weg.
So versuchten wir zusammen mit der Schweizer Botschaft einen Helikopter zu organisieren. Das Gebiet rund um uns stellte sich aber als militärisches Sperrgebiet heraus und ein privates Heli-Unternehmen bekam keine Flugerlaubnis. Wir mussten einen Helikopter der Indian Airforce bekommen. Die Organisation führt über mehrere Ministerien und ist äusserst schwierig. Nur dank Hilfe der Schweizer Botschaft, meiner Versicherung und der Organisation von Kobler & Partner konnte ich am vierten Tag zusammen mit einem Arzt ausgeflogen werden. 
Nach über zwei Stunden Heliflug auf einen Flughafen der Armee und einem weiteren Flug mit einem Kleinflugzeug wurde ich in ein Spital in Delhi gebracht. Dank der Begleitung und des Einsatzes meines Arztes wurde ich von weiteren Behandlungen verschont und wir konnten zurück in die Schweiz fliegen.

Leider musste die Expedition am Tirsuli abgebrochen werden da ich als Bergführer ausfiel und die Gruppe auch sonst geschwächt war. Die Teilnehmer der Expedition liefen, nachdem wir ausgeflogen werden konnten, zurück nach Munsyari und kamen auf dem Landweg nach Delhi.

Der Tirsuli und die wilde Gegend im Grenzgebiet zwischen Indien und Tibet haben es mir aber angetan und wer weiss ob ich noch einmal in diese faszinierende Gegend zurückkehren werde.

Danke an alle Helfer, Organisatoren und vor allem an meine Expeditionsgruppe für meine Bergung am Tirsuli.

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